Interview der Kongresspräsidenten

Neuroradiologie: Für die Zukunft beste Aussichten

Die 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie und gleichzeitig die 27. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neuroradiologie findet in 2019 vom 9. bis 12. Oktober im Kap Europa in Frankfurt am Main statt. Längst der Höhepunkt des neuroradiologischen Kongressjahres, wartet der diesjährige „neuroRAD“ mit Altbewährtem, aber auch zahlreichen Neuerungen auf. Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Claus Zimmer aus München und Prim. Dr. Johannes Trenkler aus Linz berichten im Interview, welche thematischen Schwerpunkte sie gelegt haben, worauf sich die Teilnehmenden beim neuen Format der Power Pitches freuen können und was hinter dem Kongressmotto steckt.

„Zukunft Neuroradiologie“ lautet das Motto des neuroRAD 2019. Warum haben Sie gerade dieses gewählt?

Prof. Dr. Claus Zimmer: Die Medizin ganz allgemein und natürlich auch die Neuroradiologie befinden sich derzeit in einer Umbruchphase. Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und digitale Medizin sind dafür nur einige wenige Stichworte. Dem wollen wir mit unserem Kongress Rechnung tragen. Wir werden zeigen, dass die Neuroradiologie als Querschnittsfach in Diagnostik und Therapie von ZNS-Erkrankungen eine große Zukunft hat und wir wollen uns schwerpunktmäßig damit beschäftigen, wie denn die Zukunft aussehen könnte. Die Neuroradiologie war bei der Einführung von neuen Technologien schon immer ganz vorne mit dabei.

Prim Dr. Johannes Trenkler: „Zukunft Neuroradiologie“ hat für uns zwei Bedeutungen: Zum einen sollen mögliche Veränderungen durch zunehmenden Einfluss neuer Entwicklungen wie künstlicher Intelligenz mit allen Risiken und Chancen thematisiert werden. Wir Neuroradiologen haben über viele Jahre eine sehr große Anzahl an elektronischen Bild- und Befunddaten in unseren Archivsystemen abgelegt, die mit die wertvollste Grundlage zur Entwicklung von KI-Anwendungen in der Medizin darstellen. Durch den routinemäßigen Einsatz von Auswertesoftware für diese Bilddaten ist die Neuroradiologie schon längst in diese Entwicklung involviert und hat so für die Zukunft beste Voraussetzungen. Zum anderen bedeutet es, dass die Neuroradiologie als Querschnittsfach für die Medizin der Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle spielt, unter anderem durch die rasante Entwicklung der minimal-invasiven Schlaganfallbehandlung. Wir wollen vermitteln, dass der Neuroradiologie als integraler Bestandteil der neuromedizinischen Fächer eine zunehmend wichtige Rolle zukommt.

Was sind die Schwerpunktthemen dieses Jahres und wer wird für die Keynote-Letures eingeladen?

Zimmer: Als Schwerpunkte des diesjährigen Kongresses haben wir als übergeordnetes Thema „Künstliche Intelligenz“ gewählt und ferner die großen krankheitsbezogenen Themen Neuroonkologie, entzündliche ZNS-Erkrankungen, Neurodegeneration, Wirbelsäule und natürlich die zerebrovaskulären Erkrankungen. Dementsprechend haben wir für diese Erkrankungen ausgewiesene Referenten eingeladen, die jeweils Keynote-Vorträge halten werden. So freuen wir uns ganz besonders, dass Herr Prof. Dr. Otmar Wiestler, einer der „Urväter“ der WHO-Klassifikation der Hirntumoren und jetziger Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, zugesagt hat, ebenso wie Dr. Mayank Goyal aus Calgary, der über die neuesten Entwicklungen zur Thrombektomie sprechen wird. Über die Keynote-Vorträge suchen wir auch den engen Dialog mit den Kollegen aus den benachbarten Fächern.

Erstmals bieten Sie in diesem Jahr die StAR-Lounge (Start-Up and Applied Research). Wen möchten Sie mit diesem Forum ansprechen und wie läuft der Wissenstransfer?

Trenkler: Mit diesem Format wollen wir innovative Start-Ups und Forschungsgruppen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Datenmanagement, Robotik und virtuelle Realität ansprechen und wir möchten, dass diese Initiativen ihre Anwendungen zu Diagnostik, minimal-invasiven Therapien, Befundung, Optimierung von Arbeitsabläufen und Ausbildung uns vorstellen. Besonders wichtig dabei ist uns der Austausch zwischen den klinisch tätigen Neuroradiologen und den Entwicklern bzw. Unternehmern, um die klinische Anwendung innovativer Entwicklungen zu fördern. Die Unternehmen können sich in Pitch-Sessions präsentieren, einem in der Branche gängigen, sehr dynamischen Vortrags-Format, das nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig ist.

Zimmer: Ein ganzes Stockwerk des Kap Europa werden wir zur StAR-Lounge umfunktionieren. Neben den schon angesprochenen Pitch-Sessions werden dort aktiv Diskussionsrunden initiiert, beispielsweise zur finanziellen Vergütung von neuen Bild-basierten Auswertetools oder zu rechtlichen Aspekten bei der Einführung von KI in die Krankenversorgung. Diese Diskussionsforen werden von entsprechenden Fachexperten moderiert. In Ergänzung dazu werden wir am Mittwoch zum Kongressauftakt erstmals einen ganztägigen, anwendungsorientierten Workshop zum Thema „Künstliche Intelligenz für Neuroradiologen“ anbieten. Dieser Workshop wird absolut „basic“ sein, keine speziellen Vorkenntnisse sind dafür erforderlich.

Auch für die jungen Kolleginnen und Kollegen wird es ein neues Präsentationsformat geben – die Power Pitches. Was darf man sich darunter vorstellen und warum haben Sie dieses Präsentationsformat ausgewählt?

Zimmer: Ein Manko der vergangenen Kongresse war aus meiner Sicht, dass junge motivierte Kollegen ihre größtenteils äußerst erfrischenden Vorträge häufig vor zum Teil fast leeren Hörsälen halten mussten. Dies wollen wir ändern. Es ist geplant, dass zu jedem Schwerpunktthema eine gewisse Anzahl von Vorträgen vor großem Publikum auch von unserem wissenschaftlichen Nachwuchs im Hauptvortragssaal gehalten wird. Dies geschieht als Power Pitch, in dem das Projekt innerhalb von kurzer Zeit zunächst einem großen Publikum schmackhaft gemacht werden soll, bevor es anschließend am Poster vertieft wird. Ich persönlich freue mich schon jetzt sehr auf diese Beiträge.

Was erwartet die Kongressteilnehmer in den Fit-für-Facharzt-Kursen?

Trenkler: Die Teilnehmer an den FFF-Kursen erwarten ausgesuchte und spannende Themen aus den Bereichen zerebrovaskuläre Erkrankungen und Interventionen, spinale Erkrankungen, Neuropädiatrie und Entzündungen. Beiträge über die Bildgebung bei Kopfschmerzen, Notfallbildgebung, ZNS-Veränderungen beim Glaukom sowie über Irrtümer und Fehler in der Neuroradiologie sollen den zukünftigen Fachärzten das Rüstzeug für die ersten Nachtdienste mitgeben. Hot Topics wie die aktuelle Diskussion zu MR-Kontrastmitteln sowie Hirntoddiagnostik werden ebenso thematisiert wie eine Einführung in den Befund der Zukunft. Für alle diese Themen und Beiträge konnten namhafte und kompetente Vortragende gewonnen werden.

Auf welche Themen können sich MTRA freuen?

Zimmer: Auch dieses Jahr wird es ein zweieinhalbtägiges Programm für MTRA und MTRA-Schüler geben. Dieser Programmteil wird in Verantwortung der Vereinigung Medizinisch-Technischer Berufe in der Deutschen Röntgengesellschaft organisiert. Vorträge zum „Berufsbild der MTRA“, über „akute Notfälle im Nachtdienst und typische Krankheitsbilder, die die MTRA erkennen sollte“ bis hin zum Thema Hygiene in der Neuroradiologie.

Trenkler: Am Samstag findet für MTRA, Studierende und junge Ärzte zudem die Stroke Rallye statt. Hier kann das für die Thrombektomie notwendige Material hands-on kennengelernt werden. An Flussmodellen lösen die Teilnehmenden dann konkrete Aufgaben.

Herr Kongresspräsident, bitte vervollständigen Sie...

Beim neuroRAD 2019 muss man dabei sein, weil…

Zimmer: …man da hoffentlich äußerst angeregt die Rückreise an den Heimatort antritt mit vielen Ideen im Kopf für neue Projekte oder mit vielfältigen Anregungen für eine Verbesserung unserer Arbeit in der täglichen Praxis.

Trenkler: …man sich über die Zukunftsperspektiven der Neuroradiologie in einem tollen Ambiente informieren sollte.


Wenn man schon mal in Frankfurt ist, sollte man…

Zimmer: … unbedingt einmal die Schirn besucht haben. Ein spektakulärer Museumsbau mit wirklich super Kunst vor Ort.

Trenkler: …auch mal die typische Frankfurter Kulinarik genießen, auch wenn der erste Schluck "Ebbelwoi" für manche eine herbe Überraschung sein kann.


Mein persönliches Highlight in diesem Jahr wird sein…

Zimmer: … wie der von uns organisierte Kongress von den Besuchern angenommen wird.

Trenkler: …die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der ÖGNR an Prof. Georges Rodesch, der uns seit 2003 regelmäßig bei komplexen spinalen und zerebralen Neurointerventionen unterstützt und so Großartiges für die österreichische interventionelle Neuroradiologie geleistet hat.


Mein schönstes Erlebnis auf einem neuroRAD war bisher…

Zimmer: … fast immer das gleiche Resultat, nämlich dass ich nach einem solchem Kongress immer wieder darin bestätigt wurde, dass ich die richtige Berufswahl getroffen habe. Neuroradiologie ist und bleibt ein höchst spannendes Berufsfeld, aus dem man in vielfältigster Weise Befriedigung herausziehen kann.

Trenkler: …im Jahr 2013 bei einer Pressekonferenz, wo der BAP-Gründer und Frontman Wolfgang Niedecken die Ereignisse rund um seinen Schlaganfall erzählte, und vor allem die Tatsache, dass er nach erfolgreicher Thrombektomie in Köln klinisch völlig wiederhergestellt ist!


Wenn ich nur eine Session besuchen könnte, so wäre das…

Zimmer: … ein eher kleiner Veranstaltungsteil des Kongresses, wo es um neue Techniken geht, zum Beispiel wie man mikrostrukturelle Veränderungen im Gehirn bei Schädel-Hirn-Traumata visualisieren kann und insbesondere wo man sich mit der Frage beschäftigt, welche Konsequenzen dies im Rahmen von wissenschaftlicher Begutachtung und rechtlichen Auseinandersetzungen hat. Aber auch: Sind Kopfbälle bei jugendlichen Fußballspielern schädlich und führen sie zu Veränderungen im Gehirn?

Trenkler: …der KI-Kurs für Neuroradiologen.


Das erste, was ich nach dem neuroRAD 2019 tun werde, ist…

Zimmer: … der Versuch, mein Chaos zu ordnen, das ich vermutlich vor dem Beginn des Kongresses in München zurückgelassen habe.

Trenkler: …mich wieder etwas mehr meiner Familie widmen.

Der neuroRAD in 10 Jahren wird…

Zimmer: … ganz anders sein, aber nicht minder interessant, da bin ich mir ganz sicher.

Trenkler: …wegen der in jeder Hinsicht optimalen Veranstaltungsbedingungen immer noch in Frankfurt stattfinden.

Willkommen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem überaus gelungenen Auftakt 2018 in Frankfurt am Main dürfen wir Sie zur 54. Jahrestagung unserer Fachgesellschaft erneut ins Kap Europa nach Frankfurt einladen.

Im Rahmen des diesjährigen Kongressmottos „Zukunft Neuroradiologie“ werden wir sowohl die Bedeutung der Neuroradiologie als Querschnittsfach für die Medizin der Zukunft herausstellen, als auch der Frage nachgehen, welche Veränderungen in Diagnostik und Therapie durch neue Entwicklungen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz künftig zu erwarten sind.

Erstmals werden wir daher in diesem Jahr mit der StAR-Lounge (Start-up and Applied Research) ein Forum ins Leben rufen, das Entwickler von Künstlicher Intelligenz, Robotic und Big-Data-Analysen mit Anwendern zusammenbringt, sowie zu Diskussion und Weiterentwicklung einlädt. Zudem wird zum Kongressauftakt am Mittwoch ein anwendungsorientierter Workshop zum Thema „Künstliche Intelligenz für Neuroradiologen“ stattfinden.

Dem interdisziplinären Charakter der Neuroradiologie werden wir Rechnung tragen, indem wir die krankheitsbezogenen Hauptthemen Neuroonkologie, Entzündliche ZNS-Erkrankungen, Neurodegeneration, Wirbelsäule und Zerebrovaskuläre Erkrankungen jeweils im Dialog mit Kollegen aus benachbarten Fächern erörtern.

Um dem wissenschaftlichen Nachwuchs unseres Faches attraktive Präsentationsmöglichkeiten zu bieten erwartet die Kongressteilnehmer 2019 eine weitere Neuerung: In den Sessions mit Powerpitches stehen die Referenten vor der Aufgabe, ihr Projekt innerhalb kurzer Zeit einem großen Publikum schmackhaft zu machen, bevor das Thema anschließend am Poster vertieft wird.

Neben den Neuerungen setzen wir selbstverständlich auch Bewährtes fort: Fit für den Facharzt/Weiterbildungsakademie, die Video-Cases und das MTRA-Programm in Verantwortung der Vereinigung   Medizinisch-Technischer Berufe in der Deutschen Röntgengesellschaft sind ebenso fixe Bestandteile der Jahrestagung wie die Keynote-Lectures oder der im vergangenen Jahr gestartete Neuro-Anatomie-Kurs.

Selbstverständlich werden wir nach dem Erfolg des vergangenen Jahres auch die German Stroke School primär für unsere ausländischen, aber auch für ausgewählte deutschsprachige Fachkolleginnen und -kollegen anbieten.

Einer guten Tradition folgend richten wir die Jahrestagung 2019 erneut gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Neuroradiologie (ÖGNR) aus und freuen uns daher auch über zahlreiche Teilnehmer aus unserem Nachbarland.

Mit kollegialen Grüßen

Prof. Dr. Claus Zimmer, München
Prim. Dr. Johannes Trenkler, Linz